· Gesetze und Fristen · Überblick · von , geprüft am 

E-Rezept für Hilfsmittel: eVerordnung und TI-Anschluss.

§ 360 SGB V regelt die elektronische Verordnung (eVO). Für Hilfsmittel nennt die Vorschrift zwei Termine: Ab dem 01.07.2027 werden Hilfsmittel elektronisch verordnet und Hilfsmittelerbringer müssen solche Verordnungen bedienen, bis zum 01.10.2027 schließen sie sich an die Telematikinfrastruktur (TI) an.

In Kürze. Ab dem 01.07.2027 stellen Praxen Hilfsmittelverordnungen elektronisch aus, und Hilfsmittelerbringer versorgen auch auf dieser Grundlage (§ 360 Abs. 7 SGB V). Bis zum 01.10.2027 ist das Haus an die Telematikinfrastruktur angeschlossen (§ 360 Abs. 8 SGB V). Ohne Anschluss lässt sich die elektronische Verordnung nicht abrufen.

Termine

DatumRegelungRechtsquelle
01.07.2027Ärztinnen und Ärzte, auch im Krankenhaus und in der Reha, stellen Verordnungen von Hilfsmitteln elektronisch aus.§ 360 Abs. 7 Satz 2 SGB V
01.07.2027Hilfsmittelerbringer versorgen auch auf Grundlage einer elektronischen Verordnung. Ausnahme: Der Abruf ist im Einzelfall technisch nicht möglich.§ 360 Abs. 7 Satz 5 und 6 SGB V
01.10.2027Heil- und Hilfsmittelerbringer sind an die Telematikinfrastruktur angeschlossen, um elektronische Verordnungen abrufen zu können.§ 360 Abs. 8 SGB V

Die Anschlussfrist lag zuvor auf dem 01.01.2026. Das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege hat sie mit Wirkung zum 01.01.2026 auf den 01.10.2027 verlegt. Seitdem steht ein Widerspruch im Gesetz: Die Pflicht zur eVO beginnt drei Monate vor der Pflicht zum Anschluss. Bis zur Einführung bleibt die Verordnung auf Papier (Muster 16) der Regelfall.

Der Regierungsentwurf des Gesetzes für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG, Kabinett 15.07.2026) will die eVO für Ärzte und Hilfsmittelerbringer auf den 01.07.2030 verschieben. Der Anschluss bis 01.10.2027 bliebe. Der Bundestag hat noch nicht entschieden (Stand 08.10.2026). Bis dahin gelten die Termine oben.

Ein amtliches Datenformat für die Hilfsmittel-eVO, also ein Profil der KBV und ein Ablauf im E-Rezept-Fachdienst der gematik, gibt es noch nicht (Stand 08.10.2026). Pilotprojekte der Branche und einzelner Kassen laufen.

Komponenten des Anschlusses

BestandteilAufgabeHinweis
SMC-BInstitutionskarte: weist die Betriebsstätte in der TI aus. Ohne Karte keine Verbindung.eine je Betriebsstätte, höchstens fünf Jahre gültig; kartenlos als SM-B
KartenterminalE-Health-Kartenterminal für die SMC-B und die elektronische Gesundheitskarte (eGK) der Versichertenein oder mehrere je Standort
TI-ZugangTI-Gateway: der Konnektor steht im Rechenzentrum eines zugelassenen AnbietersRegelweg; Einbox-Konnektoren im Haus nur noch bis höchstens Ende 2030
InternetanschlussVerbindung zum TI-Gateway über einen VPN-Zugangmuss am Tag der Installation bereitstehen
KIM-AdresseKommunikation im Medizinwesen: gesicherte E-Mail in der TIfreiwillig, keine Voraussetzung des Anschlusses
Branchensoftwareruft die eVO aus dem E-Rezept-Fachdienst abbraucht in der Regel ein Update
  • Kein Heilberufsausweis nötig: Für die SMC-B von Hilfsmittelerbringern ist der elektronische Heilberufs- oder Berufsausweis keine Voraussetzung (§ 340 Abs. 5 Satz 2 SGB V, seit 01.01.2026).
  • Eigene Ablage: Der E-Rezept-Fachdienst löscht Verordnungsdaten 100 Tage nach der Abgabe (§ 360 Abs. 11 SGB V). Für Abrechnung und Aufbewahrung braucht das Haus eine eigene Ablage.
  • Weitergabe nur eng: Eingelöste eVO dürfen außerhalb der TI nur für Abrechnung und Genehmigung an die Kasse übermittelt werden (§ 360 Abs. 16 SGB V).
  • Abrechnung: In der Abrechnung nach § 302 SGB V steht die ID der eVO im eigenen Segment EVO, mindestens die 22-stellige ID. Das Segment gibt es seit Version 20 (2023), Version 22 (ab 01.02.2027) ändert es nicht. Mehr im Beitrag zu § 302 Version 22.

Antragswege für die SMC-B

BetriebHerausgeberAntrag
Gesundheitshandwerk mit Eintrag in die Handwerksrolle: Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Hörakustik, AugenoptikHandwerkskammerOnline-Antragsportal der zuständigen Handwerkskammer; Ausgabe seit Anfang 2026 schrittweise, zuerst in einzelnen Kammern
Hilfsmittelerbringer ohne Eintrag in die HandwerksrolleElektronisches Gesundheitsberuferegister (eGBR) bei der Bezirksregierung MünsterRegistrierung der Institution im eGBR seit 24.04.2026, danach Bestellung der Karte bei einem Vertrauensdiensteanbieter

Ältere Anleitungen einzelner Kartenanbieter verlangen noch einen elektronischen Berufsausweis; maßgeblich sind das Gesetz und die gematik. Karte und PIN kommen getrennt per Post. Das eGBR nennt zwei bis vier Wochen Bearbeitung; mit Bestellung, Postweg und Installation sind mehrere Wochen Vorlauf einzuplanen. Die Schritte im Einzelnen: SMC-B beantragen.

Vorbereitung im Betrieb

  • Betriebsstätten erfassen: Jede Betriebsstätte braucht eine eigene SMC-B mit eigener Laufzeit.
  • Zuständigen Herausgeber feststellen und den Antrag mit Vorlauf stellen.
  • TI-Zugang auswählen: TI-Gateway als Regelweg, je nach Zahl der Betriebsstätten und vorhandener IT. Ein Konnektor im Haus ist eine Auslauflösung.
  • Kosten einplanen: Das eGBR nennt in seinem Merkblatt 40 € Verwaltungsgebühr; ob der Betrag für Hilfsmittelerbringer genauso gilt, ist nicht ausdrücklich bestätigt. Den Kartenpreis legt der Anbieter fest; für fünf Jahre Laufzeit nennt ein Anbieter 390,76 € netto.
  • TI-Pauschale im Blick behalten: Präqualifizierte Hilfsmittelerbringer haben seit dem 01.07.2024 dem Grunde nach Anspruch auf Erstattung der TI-Kosten (§ 380 Abs. 2 Nr. 1 SGB V). Die Vereinbarung, über die sie abgerechnet wird, fehlt noch (Stand 08.10.2026). Als Richtwert hat das Bundesgesundheitsministerium 192,80 € im Monat festgelegt.
  • Softwareanbieter befragen: Ab wann unterstützt die Branchensoftware den Abruf der eVO, und welche Komponenten setzt sie voraus?
  • Ablauf der Karten überwachen: Die SMC-B gilt höchstens fünf Jahre. Die Folgekarte ist rechtzeitig zu beantragen.

Häufige Fragen

Muss ich ab 2027 Verordnungen elektronisch abrufen?
Ja, nach geltendem Recht ab dem 01.07.2027: Dann verordnen Praxen Hilfsmittel elektronisch, und Ihr Haus muss auch auf dieser Grundlage versorgen. Ausnahme ist nur ein im Einzelfall technisch unmöglicher Abruf. Der Anschluss an die TI ist zwar erst bis 01.10.2027 Pflicht, wer ab Juli versorgen will, braucht ihn aber schon dann. Ein Regierungsentwurf will die eVO auf 2030 verschieben; beschlossen ist das nicht.
Was brauche ich dafür im Haus?
Einen zugelassenen TI-Zugang, in der Regel ein TI-Gateway, eine Institutionskarte (SMC-B) je Betriebsstätte, ein Kartenterminal und eine Branchensoftware, die den Abruf unterstützt. Ab wann, klären Sie mit dem Softwareanbieter.
Was kostet der Anschluss?
Das eGBR nennt 40 € Verwaltungsgebühr. Den Kartenpreis legt der Anbieter fest; für fünf Jahre nennt ein Anbieter 390,76 € netto. Dazu kommen die monatlichen Kosten des TI-Gateways beim gewählten Anbieter.
Gibt es eine TI-Pauschale für Hilfsmittelerbringer?
Dem Grunde nach ja, seit dem 01.07.2024 für Betriebe mit Präqualifizierung (§ 380 Abs. 2 Nr. 1 SGB V). Die Vereinbarung zur Abrechnung zwischen GKV-Spitzenverband und den Verbänden der Hilfsmittelerbringer fehlt aber noch (Stand 08.10.2026). Richtwert des Bundesgesundheitsministeriums: 192,80 € im Monat.
Wie lange gilt die SMC-B?
Höchstens fünf Jahre. Die Folgekarte ist rechtzeitig zu beantragen, sonst steht der Abruf still. Die Branchensoftware sollte den Ablauf als Frist führen.

Rechtsgrundlagen

  1. § 360 SGB V in der Fassung des Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege vom 22.12.2025 (BGBl. 2025 I Nr. 371), abgerufen am 08.10.2026: Abs. 7 Satz 2, 5 und 6 (elektronische Verordnung ab 01.07.2027), Abs. 8 (Anschluss bis 01.10.2027), Abs. 11 (Löschung nach 100 Tagen), Abs. 15 (Fristverlängerung durch Rechtsverordnung; keine erlassen), Abs. 16 (Übermittlung außerhalb der TI).
  2. GeDIG, Kabinettsentwurf vom 15.07.2026, Bundesrat erster Durchgang 25.09.2026, nicht beschlossen: § 360 Abs. 7 neu (01.07.2030).
  3. § 340 SGB V: Abs. 2 Ausgabe der Institutionskarten durch die Handwerkskammern für die Handwerke nach Anlage A Nr. 33 bis 37 der Handwerksordnung, für weitere Leistungserbringer durch das eGBR nach Abs. 1 und 3; Abs. 5 Satz 2 kein Heilberufsausweis für Hilfsmittelerbringer. § 306 und § 311 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 SGB V: Telematikinfrastruktur und Zulassung ihrer Komponenten durch die gematik.
  4. § 380 Abs. 2 Nr. 1 SGB V: Erstattung der TI-Kosten für präqualifizierte Hilfsmittelerbringer ab 01.07.2024. Festlegung des Bundesgesundheitsministeriums nach § 378 Abs. 2 SGB V vom 01.09.2023: TI-Pauschale 192,80 € im Monat.
  5. Onboarding-Checkliste für Hilfsmittelerbringer der gematik, Stand Februar 2026: Komponenten des Anschlusses, Herausgeber der SMC-B, KIM als freiwillige Ergänzung. Kartenpreise sind Angaben der Anbieter; die Gebühr von 40 € nennt das Merkblatt des eGBR.
  6. Technische Anlage 1 zu § 302 SGB V, Version 22 (Stand 21.05.2026), Abschnitt 5.5.3.1: Segment EVO, laut Änderungshistorie eingefügt in Version 20 (03.08.2023). § 33 SGB V: Anspruch auf Hilfsmittel. § 126 SGB V: Versorgung durch Vertragspartner der Krankenkassen.

Diese Arbeit nimmt Ortavis Ihrem Team ab

Ortavis kennt Verträge, Fristen und Formate: von der Verordnung über Kostenvoranschlag, Werkstatt und Zuzahlung bis zur Abrechnung nach § 302 SGB V. Probieren Sie es im Browser aus, mit einem erfundenen Musterhaus und ohne Anmeldung.

Demo im Browser testen Demo für Ihren Betrieb anfragen

Oder schreiben Sie an kontakt@ortavis.com.

Mehr zu Recht und Fristen

Alle Fachbeiträge