Gliederung nach Amputationshöhe
Die Stellen drei und vier der Hilfsmittelnummer nennen die
Amputationshöhe, die Stellen fünf und sechs die Bauart: 01 Habitus, 02 Eigenkraft,
03 Fremdkraft, 04 Hybrid. Am Unterarm und am Oberarm trennt die siebte Stelle die
Stumpflänge: 0 lang, 1 mittellang, 2 kurz, 3 ultrakurz. „Positionen“ zählt Schäfte und Zusätze.
| Nummer | Amputationshöhe | Habitus | Eigenkraft | Fremdkraft | Hybrid | Positionen |
|---|---|---|---|---|---|---|
38.80 | Finger, Daumen, Teilhand | 38.80.01 Teilfinger, Finger, Daumen, Teilhand | 38.80.02 Teilfinger, Finger, Teilhand | 38.80.03 Finger, Teilhand | – | 15 |
38.07 | Handgelenkexartikulation | 38.07.01 | 38.07.02 | 38.07.03 | – | 13 |
38.81 | Unterarm, vier Stumpflängen | 38.81.01 | 38.81.02 | 38.81.03 | 38.81.04 | 28 |
38.08 | Ellenbogenexartikulation | 38.08.01 | 38.08.02 | 38.08.03 | 38.08.04 | 15 |
38.82 | Oberarm, vier Stumpflängen | 38.82.01 | 38.82.02 | 38.82.03 | 38.82.04 | 27 |
38.09 | Schulterexartikulation | 38.09.01 | 38.09.02 | 38.09.03 | 38.09.04 | 14 |
Jede Grundposition ist ein Schaft. Die myoelektrische Unterarmprothese bei mittellangem Stumpf etwa ist
38.81.03.1001, die Habitusprothese bei langem Stumpf 38.81.01.0001; an Hand-,
Ellenbogen- und Schultergelenk gibt es je Bauart nur eine Position, etwa 38.09.03.0001 für den
Fremdkraftschaft nach Schulterexartikulation. Den Schaft fertigt der Betrieb nach Maß; er ist eine
Sonderanfertigung, deshalb steht bei jeder Position der Vertragspartner
als Hersteller.
Die übrigen Anwendungsorte: 38.87 Finger-, Hand- und Handgelenk-, 38.88
Ellenbogen- und 38.89 Schulterpassteile, 38.90 Adapter, Schaftfixierungen,
Prothesenhandschuhe, Steuerungselemente, Akkus und Steuerungen. Bis auf zwei stehen alle Positionen seit
Juli 2019 im Verzeichnis: der Habitusschaft nach Handgelenkexartikulation schon seit November 2018, der
Silikon-Kontaktschaft am Oberarm erst seit Juni 2020. Die Produktgruppe wurde zuletzt am 27.09.2023
geändert.
Habitus, Eigenkraft, Fremdkraft, Hybrid
| Bauart | Kraftquelle | Zweck |
|---|---|---|
| Habitus | keine, kein aktiv bewegliches Teil | Körperform, passives Halten und Gegenhalt, Schutz des Stumpfes vor Kälte und Verletzung; auf jeder Höhe |
| Eigenkraft | eigene Körperbewegung, etwa über eine Steuerungsbandage | mindestens ein Gelenk der Prothese wird ohne fremde Energie bewegt, etwa Hook oder Hand |
| Fremdkraft | Akku; gesteuert über Elektroden am Muskel, Drucksensoren oder Schalter | aktives Greifen, motorische Hand, Handgelenk oder Ellenbogen; auf jeder Höhe |
| Hybrid | beides: mindestens ein Gelenk mit Eigenkraft, eines mit Fremdkraft | etwa zuggesteuerter Ellenbogen mit myoelektrischer Hand; ab Unterarm aufwärts |
Der Schaft besteht aus zwei Teilen. Der weiche Innenschaft bettet den Stumpf und nimmt bei myoelektrischen Prothesen die Elektroden auf; der Außenschaft aus Gießharzlaminat oder Prepreg überträgt die Kräfte und trägt Hand und Gelenke. Je nach Stumpf wählt der Betrieb einen Offen-End-Schaft, der empfindliche Stellen frei lässt, etwa Fingerrudimente bei einer Dysmelie, einen Vollkontaktschaft mit Endkontakt gegen Ödeme, meist mit Liner, verbunden über Rastverschluss oder Gurt, oder einen Rahmenschaft, leichter und luftiger, vor allem an der Schulter und nach Ellenbogenexartikulation.
Die Form nimmt der Betrieb in der Regel mit Gips ab; ein 3D-Scan mit gefrästem oder gedrucktem Modell ist die Alternative. Gebaut wird in Schalenbauweise, bei der die Außenschale trägt und sich nur durch Trennen nachjustieren lässt, in Modularbauweise mit Rohrskelett, austauschbaren Passteilen und Verkleidung aus Schaumstoff oder Silikon, oder an Finger, Teilhand und Handgelenk in Kompaktbauweise.
Zusätze je Amputationshöhe
Was über den Schaft hinausgeht, steht in den Leistungspositionen 98 und 99
derselben Höhe. Dieselbe Leistung hat auf jeder Höhe eine andere Nummer: Der Testschaft ist an Finger und
Teilhand die …98.2001, am Unterarm die …98.4001, an der Schulter wieder die
…98.2001.
| Zusatz | Finger, Teilhand | Hand-Ex | Unterarm | Ellenbogen-Ex | Oberarm | Schulter-Ex |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Flexibler Innenschaft | 38.80.98.0001 | 38.07.98.0001 | 38.81.98.0001 | 38.08.98.0001 | 38.82.98.0001 | 38.09.98.0001 |
| Silikon-Kontaktschaft | 38.80.98.1001 | 38.07.98.1001 | 38.81.98.1001 | 38.08.98.1001 | 38.82.98.1001 | 38.09.98.1001 |
| Weichwand-Innenschaft | – | 38.07.98.2001 | 38.81.98.2001 | 38.08.98.2001 | 38.82.98.2001 | – |
| Liner | – | 38.07.98.3001 | 38.81.98.3001 | 38.08.98.3001 | 38.82.98.3001 | – |
| Diagnose-/Testschaft | 38.80.98.2001 | 38.07.98.4001 | 38.81.98.4001 | 38.08.98.4001 | 38.82.98.4001 | 38.09.98.2001 |
| Prothesenverkleidung | – | – | 38.81.98.5001 | 38.08.98.5001 | 38.82.98.5001 | 38.09.98.3001 |
| Verstellbares Schaftsystem | 38.80.98.3001 | 38.07.98.5001 | 38.81.98.6001 | 38.08.98.6001 | 38.82.98.6001 | 38.09.98.4001 |
| Oberarmhülse | – | – | 38.81.98.7001 | – | – | – |
| Haltebandage | – | 38.07.98.6001 | 38.81.98.8001 | 38.08.98.7001 | 38.82.98.7001 | 38.09.98.5001 |
| Steuerungsbandage | – | 38.07.98.7001 | 38.81.98.9001 | 38.08.98.8001 | 38.82.98.8001 | 38.09.98.6001 |
| Dienstleistung multiartikulierende Hand | 38.80.98.4001 | 38.07.98.8001 | 38.81.99.0001 | 38.08.98.9001 | 38.82.98.9001 | 38.09.98.7001 |
| Dienstleistung mechatronischer Ellenbogen | – | – | – | – | 38.82.99.0001 | 38.09.98.8001 |
| Sonstige Zusätze | 38.80.98.5001 | 38.07.98.9001 | 38.81.99.1001 | 38.08.99.0001 | nur Produktart 38.82.99.1 | 38.09.98.9001 |
Die beiden Dienstleistungspositionen vergüten, was eine motorische Hand oder ein motorischer Ellenbogen zusätzlich verlangt: Training der Muskulatur für das höhere Gewicht, Einweisung und Training der Steuerung, die Probephase mit den beantragten Komponenten und deren Foto- und Videodokumentation. Am Unter- und Oberarm lassen sie sich nur mit Fremdkraft- und Hybridschäften kombinieren. Die Steuerungsbandage gilt für konfektionierte und für individuell gefertigte Bandagen, wenn andere Steuerungen nicht anwendbar oder nicht ausreichend sind; das verstellbare Schaftsystem, etwa mit Luftkammern oder Drehverschluss, für starke Volumenschwankungen und Hinterschneidungen.
Hand, Ellenbogen, Akku: Passteile ohne eigene Nummer
Unter 38.87 bis 38.90 beschreibt das Verzeichnis 48 Produktarten, von der
Eingriffhand bis zum Ladegerät. Eingetragen ist kein einziges Produkt, obwohl die Produktgruppe die
vorgefertigten Komponenten ausdrücklich als Einzelprodukte vorsieht. Auch die sonstigen Zusätze am Oberarm,
38.82.99.1, haben keine Position.
| Produktart | Passteil | Abrechnung |
|---|---|---|
38.87.05.1 | Eigenkraft-Funktionshand (Hook) | 38.87.05.1900 |
38.87.06.0 | Fremdkraft-Eingriffhand: Zeige- und Mittelfinger schließen im Dreipunktgriff auf den Daumen | 38.87.06.0900 |
38.87.06.1 | Multiartikulierende Hand: Langfinger und Daumen motorisch, Daumen in Opposition oder seitlich | 38.87.06.1900 |
38.87.06.2 | Elektrogreifer | 38.87.06.2900 |
38.87.09.1 | Elektro-Dreheinsatz am Handgelenk | 38.87.09.1900 |
38.88.02.0 | Eigenkraft-Ellenbogen mit Sperre | 38.88.02.0900 |
38.88.03.2 | Fremdkraft-Ellenbogen mit Aktuator | 38.88.03.2900 |
38.89.01.0 | Schulterpassteil, frei schwingend | 38.89.01.0900 |
38.90.03.3 | Prothesenhandschuh für Fremdkraft | 38.90.03.3900 |
38.90.05.1 | Wechselakku | 38.90.05.1900 |
38.90.05.2 | Akku-Ladesystem | 38.90.05.2900 |
Für die Abrechnung nach § 302 SGB V folgt auf die sieben Stellen der Produktart die Endung 900. Den Preis bestimmen Vertrag oder Kostenvoranschlag; welches Modell geliefert wird, steht im Kostenvoranschlag, nicht in der Nummer. Zwei Grenzen nennt das Verzeichnis selbst: Die multiartikulierende Hand eignet sich wegen der geringeren Griffkraft grundsätzlich nicht für schwere körperliche Arbeit, und ein Fremdkraft-Ellenbogen ist so schwer, dass nicht jeder ihn effizient nutzen kann.
Vom Stumpf zur Definitivprothese
- Vorbereitung: Die Anpassung beginnt, wenn die Wunde verheilt und der Stumpf volumenstabil und belastbar ist. Bis dahin schwillt er mit Liner, Kompressionsarmstrumpf oder Wickeln ab; Arm-, Schulter- und Rumpfmuskulatur werden trainiert, damit keine Dysbalance entsteht.
- Profilerhebungsbogen: Die Anlage zur Produktgruppe 38 hält Schädigung, Begleiterkrankungen, Vorversorgung, Fähigkeiten und Rehabilitationsziel fest.
- Diagnoseschaft: transparent, auf dem Stumpfmodell gefertigt, für die erste Kontrolle von Form, Volumen und Randverlauf; in der Regel bei Erst- und Umversorgung. Jeder weitere Testschaft braucht eine eigene Begründung.
- Probeprothese: Testschaft mit allem Zubehör und den geplanten Passteilen, der Innenschaft schon aus dem späteren Material. In einer meist mehrwöchigen Probephase zu Hause zeigt sich, ob die Versicherte die Prothese im Alltag nutzen kann; ohne diese Eignung keine Leistungspflicht. Wer bisher keine Prothese trug oder mit einer Fehlbildung geboren ist, braucht in der Regel länger. Vor einer Rehabilitation soll die Testprothese fertig sein.
- Definitivprothese: Der endgültige Innenschaft entsteht erst nach der Probephase. Die Verkleidung soll die Prothese für einen unbefangenen Dritten nicht direkt erkennbar machen; Tattoos, Adern oder Haare nachzubilden zahlt die Kasse nicht. Bei Erst- und Folgeversorgung übernimmt der Betrieb in der Regel eine Passformgarantie.
Kinder und angeborene Fehlbildung
Kleinkinder bekommen in der Regel ab etwa dem achten Lebensmonat eine Habitusprothese, die „Patschhand“, eine myoelektrische Prothese meist ab dem dritten bis vierten Lebensjahr. Eine multiartikulierende Hand folgt in der Regel erst später, wegen Gewicht, Handgröße, Öffnungsweite und der kognitiven Anforderungen. Wachstum und Beanspruchung verkürzen die Nutzungsdauer; Passform und Funktion sind regelmäßig zu prüfen.
Wer mit einer Fehlbildung geboren ist, hat ein intaktes Körpergefühl und einen Stumpf, der fühlt. Eine Prothese wird dann nur angenommen, wenn sie im Alltag spürbar etwas bringt oder die Armform wiederherstellt. Ob die Versorgung gelingt, hängt an Stumpflänge und -beschaffenheit, Motorik, Motivation, Familie und an der Qualität der Gebrauchsschulung.
Anspruch, zweite Prothese, Zuzahlung, Steuersatz
Anspruch besteht, wenn ein Arm ganz oder teilweise fehlt und dadurch etwa das Greifen wesentlich eingeschränkt ist, und auch, wenn das Fehlen so entstellt, dass es schon im Vorbeigehen auffällt. Ein ersetzter Körperteil allein genügt nicht: Eine Silikonprothese für das fehlende Endglied des Zeigefingers muss die Kasse nicht zahlen, wenn sie keinen wesentlichen Gebrauchsvorteil bringt, sondern nur Komfort und Aussehen, hat das Bundessozialgericht 2015 entschieden.
Versorgt wird in der Regel mit einer Prothese. Eine zweite gleiche kommt im begründeten Einzelfall in Betracht, eine zusätzliche Habitusprothese etwa, wenn die Fremdkraftprothese wegen ihres Gewichts nicht den ganzen Tag getragen werden kann, eine wasserfeste Armprothese bei besonderen Umständen. Einem Mann, dessen multiartikulierende Hand bei Wartung und Reparatur mehrere Wochen ausfiel, hat das Bayerische Landessozialgericht 2024 eine zweite myoelektrische Unterarmprothese zugesprochen. Eine neue Prothese gibt es nur, wenn die Reparatur nicht möglich oder unwirtschaftlich ist, ein technisch besseres System nur mit Gebrauchsvorteil im Alltag.
Für den Antrag gelten die Fristen des SGB IX: Die Kasse entscheidet binnen zwei Monaten oder teilt begründet mit, warum sie es nicht kann; sonst gilt die Leistung als genehmigt (§ 18 SGB IX). Abgeben dürfen Armprothesen nur Betriebe mit Präqualifizierung im Versorgungsbereich 38A. Versicherte ab 18 Jahren zahlen 10 % zu, 2026 mindestens 5 und höchstens 10 Euro, ab 2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro (Zuzahlung berechnen). Armprothesen sind künstliche Körperteile und tragen 7 % Umsatzsteuer; mehr unter Mehrwertsteuer.
Häufige Fragen
- Welche Hilfsmittelnummer hat eine myoelektrische Unterarmprothese?
- Der Schaft ist
38.81.03.0001bei langem bis38.81.03.3001bei ultrakurzem Stumpf. Die Hand kommt über die Produktart mit der Endung 900 dazu, etwa38.87.06.0900für die Eingriffhand, Zusätze aus38.81.98und38.81.99. - Welche Nummer hat eine multiartikulierende Hand?
- Keine zehnstellige. Abgerechnet wird
38.87.06.1900, dazu die Dienstleistungsposition der Höhe, am Unterarm38.81.99.0001. - Zahlt die Kasse eine Fingerprothese?
- Wenn sie einen wesentlichen Gebrauchsvorteil bringt, etwa Gegengriff oder Greifvolumen, oder eine
Entstellung ausgleicht. Die Schäfte stehen unter
38.80, vom Teilfinger bis zur Teilhand. - Gibt es eine zweite Armprothese?
- In der Regel nicht. Ausnahmen: eine Habitusprothese neben einer schweren Fremdkraftprothese, eine wasserfeste Prothese bei besonderen Umständen oder eine Wechselprothese, wenn Reparaturen lange dauern.
Wie ein Rezept vom Scan über den Kostenvoranschlag bis zur Abrechnung läuft, zeigt die Demo ohne Anmeldung; der Rundgang erklärt die Stationen.
Rechtsgrundlagen und Quellen
- GKV-Spitzenverband: Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 38 „Armprothesen“, geändert am 27.09.2023, mit Profilerhebungsbogen; Produktarten und Einzelprodukte Stand 28.09.2026.
- GKV-Spitzenverband: Kriterienkatalog zur Präqualifizierung vom 28.04.2025, gültig ab 01.06.2025.
- GKV-Spitzenverband: Technische Anlage 3 zum Datenaustausch nach § 302 SGB V, Version 22 vom 23.09.2026, Abschnitt 8.2.2: Positionsnummer in der Abrechnung.
- Bundessozialgericht, Urteil vom 30.09.2015, B 3 KR 14/14 R: Silikonprothese für das Endglied des Zeigefingers.
- Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 12.11.2024, L 5 KR 457/20: zweite myoelektrische Unterarmprothese als Wechselversorgung.
- § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG mit Anlage 2 Nr. 52.
- § 33 Abs. 1 und 8, § 61, § 126, § 127, § 302 SGB V; § 18 SGB IX.