Gliederung der Produktgruppe
Die Stellen drei und vier nennen den Anwendungsort: 46 für den Innenraum, 50 für
innen und außen, 99 für Zubehör und Zuschläge. Wie die ganze
Hilfsmittelnummer aufgebaut ist, steht dort. „Produkte“ zählt die
eingetragenen Gehhilfen ohne nicht besetzte Nummern, „Bereich“ den Versorgungsbereich der
Präqualifizierung, den das Verzeichnis je Produktart nennt.
| Nummer | Untergruppe | Produktarten | Produkte | Bereich |
|---|---|---|---|---|
10.46.01 | Gehgestelle | 4 | 26 | 10A |
10.46.02 | Gehwagen, auch für Kinder | 4 | 76 | 10B |
10.46.03 | geplant: zweirädrige Gehhilfen für Kinder | 1 | 1 | – |
10.46.04 | Rollatoren mit Unterarmauflagen für innen | 1 | 16 | 10B |
10.50.01 | Hand- und Gehstöcke, Mehrfußgehhilfen | 5 | 49 | 10A |
10.50.02 | Unterarmgehstützen | 4 | 91 | 10A |
10.50.03 | Achselstützen | 1 | 6 | 10A |
10.50.04 | Deltaräder und Rollatoren | 4 | 176 | 10A |
10.50.05 | Rollatoren mit Rollstuhlfunktion | 3 | 2 | 10A |
10.99.01 | Zubehör: Stockpuffer, Stockhalter | 3 | 18 | – |
10.99.02 | Sonstige Gehhilfen | 1 | 3 | 10B |
10.99.99 | Zuschläge | 5 | 16 | – |
Der Kriterienkatalog führt neben 10A und 10B den Bereich 10C für Stöcke und Stützen, die als
apothekenüblich gelten: Apotheken brauchen dafür keine Präqualifizierung (§ 126 Abs. 1b
SGB V), andere Betriebe können sich dafür präqualifizieren. Wer welche Bereiche braucht, erklärt
Präqualifizierung. Sonderausstattung rechnet über
10.99.99 ab, für Rollatoren etwa Trommelbremse, besondere Bremshebel und Griffe,
Unterarmauflagen und Rückenstütze.
Neu ist 10.50.05.2, eine vorläufige Produktart für Rollatoren mit elektrischem
Zusatzantrieb, seit 29.06.2026 mit einem Produkt. Bei den Rollatoren selbst kamen seit Januar 2025
33 Modelle dazu. Ein Fehler im Verzeichnis: Der Anforderungstext der Untergruppe 10.50.05
überschreibt die Rollatoren mit Greifreifenantrieb mit 10.50.04.2. Unter dieser Nummer stehen
die Rollatoren mit erhöhter Belastbarkeit; gemeint ist 10.50.05.1.
Welche Gehhilfe für wen
Das Verzeichnis nennt je Produktart eine Indikation und Mindestanforderungen. Vor jeder Versorgung soll geprüft werden, ob die Wohnung genug Platz bietet und ob die Versicherte ein fahrbares Produkt sicher nutzen kann.
| Produktart | Gehhilfe | Einsatz laut Verzeichnis | Anforderung |
|---|---|---|---|
10.50.01.1 | Gehstock | Gehen sichern, Bein teilweise entlasten | höchstens 1 kg, Griff rechts und links nutzbar |
10.50.02.0 | Unterarmgehstützen | ein Bein teilweise bis ganz entlasten | höchstens 1,2 kg je Stütze |
10.50.02.3 | Unterarmgehstützen, erhöht belastbar | hohes Körpergewicht | mindestens 150 kg |
10.46.01.0 | Gehgestell | Gehen und Stehen üben, wenn andere Gehhilfen nicht reichen | höchstens 4 kg |
10.50.04.0 | Deltarad | wie Rollator, bei beengter Wohnung | drei Räder, Bremse |
10.50.04.1 | Rollator | Gehfähigkeit erhalten, wenn andere Gehhilfen nicht reichen; Sitz bei Erschöpfung | höchstens 10 kg mit Korb oder Tasche |
10.50.04.2 | Rollator, erhöht belastbar | wenn das Körpergewicht einen normalen Rollator ausschließt | über 150 kg |
10.50.04.3 | Rollator mit Unterarmauflagen | wenn die Hände einen Rollator nicht sicher greifen | Räder mindestens 180 mm, Auflagen tiefenverstellbar |
10.50.05.1 | Rollator mit Greifreifen | gehen und bei Bedarf selbst fahren | mindestens 130 kg, zum Rollstuhl umbaubar |
Jeder Rollator der Gruppe braucht eine dosierbare Bremse an den Hinterrädern mit Feststellung, lenkbare
Vorderräder, höhenverstellbare Griffe, Reflektoren und eine Ankipphilfe. Eine eigene Produktart
„Leichtgewichtrollator“ gibt es nicht; die Grenze von 10 kg gilt für jeden Rollator unter
10.50.04.1. Zubehör zahlt die Kasse, wenn es regelmäßig und auf Dauer gebraucht wird, etwa
Spezialstockpuffer für Nassräume. Zubehör, das an Möbeln befestigt wird, wie ein Stockhalter am Tisch,
gehört nicht dazu.
Rezept, Genehmigung und Lieferung
Gehhilfen darf jede Vertragsärztin verordnen. Auf das Rezept gehören Diagnose und Gehhilfe, als Produktart oder siebenstellige Positionsnummer; das Modell wählt der Betrieb. Wie man ein Rezept vor der Abgabe prüft, steht in Rezept prüfen; abgegeben werden muss binnen 28 Tagen.
Ob die Kasse vorher genehmigt, regelt der Vertrag. Für Rollatoren verzichten Kassen oft darauf; Produkte außerhalb der Preisliste brauchen meist einen Kostenvoranschlag. Verträge setzen kurze Lieferfristen von wenigen Werktagen und verlangen eine Einweisung, bei Bedarf zu Hause. Liefern darf jeder Betrieb mit Vertrag und passender Präqualifizierung (§§ 126 und 127 SGB V), ob Sanitätshaus oder Apotheke.
Kauf, Versorgungspauschale, Wiedereinsatz
Gehhilfen werden auf drei Wegen bezahlt. Welcher gilt, steht im Vertrag; in der Abrechnung nach § 302 zeigt es das Kennzeichen Hilfsmittel.
| Weg | Kennzeichen | typisch für | wem das Hilfsmittel gehört |
|---|---|---|---|
| Kauf je Stück oder Paar | 00 Neulieferung | Stöcke, Unterarm- und Achselstützen | die Versicherte behält es |
| Versorgungspauschale für einen Zeitraum | 08, danach 09 Folgepauschale | Rollatoren, Deltaräder, Gehgestelle, Gehwagen | meist dem Betrieb |
| Wiedereinsatz aus dem Lager | 02, Abholung 18 | teure Gehwagen, etwa für Kinder | der Kasse, der Betrieb lagert es |
Die Pauschale deckt alles für den Zeitraum: Beratung, Auswahl, Lieferung, Anpassung, Einweisung, Reparatur und Wartung. Beim Rollator sind Korb oder Tasche, Tablett, Sitz und Stockhalter darin enthalten und werden nicht extra abgerechnet. Im veröffentlichten Vertragsentwurf einer Ersatzkasse läuft eine Rollator-Pauschale 60 Monate, getrennt nach Belastbarkeit bis 130 und ab 131 kg. Bleibt der Rollator Eigentum des Betriebs, trägt der Betrieb die Pflichten des Betreibers nach der Medizinprodukte-Betreiberverordnung.
In der Abrechnung stehen bei jeder Pauschale Beginn und Ende des Zeitraums und die Zahl der Monate. Wird der Rollator nach Ablauf weiter gebraucht, folgt die Folgepauschale; als Leistungsdatum verlangt der Vertragsentwurf den ersten Tag des neuen Zeitraums. Ob es dafür ein neues Rezept braucht, regelt der Vertrag.
Zuzahlung und Steuersatz
Für Gehhilfen gibt es keinen Festbetrag; die Kasse zahlt den Vertragspreis. Erwachsene zahlen 10 % zu, bis 31.12.2026 mindestens 5 und höchstens 10 Euro, ab 01.01.2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro, nie mehr als der Betrag selbst; siehe Zuzahlung 2027. Unter 18 entfällt sie. Wer eine teurere Ausstattung wählt, trägt die Mehrkosten.
Ein Paar Unterarmgehstützen ist eine Versorgungseinheit mit einer Zuzahlung. Bei einer Pauschale fallen 10 % jeder fälligen Pauschale an, mindestens der Mindestbetrag, nie mehr als die Pauschale. Je Hilfsmittel bleibt es für den ganzen Versorgungszeitraum beim Höchstbetrag, auch wenn mehrere Rezepte zugrunde liegen. Entspricht der Zeitraum der üblichen Lebensdauer des Produkts, löst die nächste Pauschale eine neue Zuzahlung aus. So steht es im Gemeinsamen Rundschreiben der Kassenverbände von 2007; die Bundesregierung hält das für rechtmäßig. Anlass war ein Rollator, für den eine Kasse nach fünf Jahren erneut die Zuzahlung verlangte.
Rollatoren tragen 7 % Umsatzsteuer, seit der Europäische Gerichtshof sie 2010 als orthopädische Vorrichtung eingestuft hat. In der Preisliste, die Ortavis für diese Gruppe eingelesen hat, stehen nur Stöcke und Stützen, alle ohne Kostenvoranschlag: Hand- und Gehstöcke mit 19 %, Mehrfußgehhilfen, Unterarm-, Arthritis- und Achselstützen mit 7 %.
Häufige Fragen
- Welche Hilfsmittelnummer hat ein Rollator?
- Die Produktart ist
10.50.04.1; erhöht belastbare Rollatoren stehen unter10.50.04.2, solche mit Unterarmauflagen unter10.50.04.3oder, nur für innen,10.46.04.0. Die zehnstellige Nummer gehört zum einzelnen Modell. - Was kostet ein Rollator auf Rezept?
- Nur die Zuzahlung: 10 %, 2026 zwischen 5 und 10 Euro, ab 2027 zwischen 7,50 und 15 Euro. Zuzahlung berechnen.
- Warum soll ich für denselben Rollator noch einmal zuzahlen?
- Weil die Kasse nach Ablauf des Zeitraums eine neue Pauschale zahlt. Entspricht der Zeitraum der üblichen Lebensdauer, wird damit eine neue Zuzahlung fällig; innerhalb eines Zeitraums bleibt es beim Höchstbetrag.
- Zahlt die Pflegekasse den Rollator?
- Nein. Gehhilfen zahlt die Krankenkasse; Pflegehilfsmittel stehen in den Produktgruppen 50 bis 54.
Wie ein Rezept für eine Gehhilfe vom Scan bis zur Abrechnung läuft, zeigt die Demo ohne Anmeldung; der Rundgang erklärt die Stationen.
Rechtsgrundlagen und Quellen
- GKV-Spitzenverband: Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 10 „Gehhilfen“, Definition, Produktarten und Anforderungen, Einzelprodukte Stand 28.09.2026.
- GKV-Spitzenverband: Kriterienkatalog zur Präqualifizierung vom 28.04.2025, gültig ab 01.06.2025.
- Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung zu wiederholten Zuzahlungen für Hilfsmittel, Drucksache 18/13424 vom 28.08.2017, mit dem Gemeinsamen Rundschreiben vom 18.12.2007, Kapitel 7.2.6.
- hkk: Rahmenvertrag über die Versorgung mit Gehhilfen nach § 127 Abs. 1 SGB V, Vertragsentwurf mit Anlage Produktgruppe 10.
- HEK: Wissenswertes zur Versorgung mit Rollatoren, Merkblatt.
- EuGH, Urteil vom 22.12.2010, C-273/09; BMF-Schreiben vom 11.08.2011, IV D 2 - S 7227/11/10001, BStBl I S. 824.
- Preisliste eines Kassenvertrags nach § 127 SGB V, Positionen 10, Stand 01.06.2026.
- § 33 Abs. 1 und 8, § 61, § 126 Abs. 1a und 1b, § 127 SGB V; § 3 Medizinprodukte-Betreiberverordnung.