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Rollator und Gehhilfen auf Rezept: Positionsnummern und Pauschale.

Gehhilfen entlasten die Beine, indem sie Last auf Arme und Rumpf verlagern, und vergrößern die Fläche, auf der man steht. Diese Übersicht zeigt die Produktgruppe 10 mit ihren Positionsnummern, was das Verzeichnis von einem Rollator verlangt, wie Versorgungspauschale und Folgepauschale funktionieren und was Versicherte zuzahlen.

In Kürze. 36 Produktarten mit 480 eingetragenen Gehhilfen, darunter 144 Rollatoren von 44 Herstellern unter 10.50.04.1. Stöcke und Stützen kauft die Kasse, Rollatoren laufen in vielen Verträgen über eine Pauschale für mehrere Jahre. Kein Festbetrag; die Zuzahlung fällt auf jede fällige Pauschale an.

Gliederung der Produktgruppe

Die Stellen drei und vier nennen den Anwendungsort: 46 für den Innenraum, 50 für innen und außen, 99 für Zubehör und Zuschläge. Wie die ganze Hilfsmittelnummer aufgebaut ist, steht dort. „Produkte“ zählt die eingetragenen Gehhilfen ohne nicht besetzte Nummern, „Bereich“ den Versorgungsbereich der Präqualifizierung, den das Verzeichnis je Produktart nennt.

NummerUntergruppeProduktartenProdukteBereich
10.46.01Gehgestelle42610A
10.46.02Gehwagen, auch für Kinder47610B
10.46.03geplant: zweirädrige Gehhilfen für Kinder11–
10.46.04Rollatoren mit Unterarmauflagen für innen11610B
10.50.01Hand- und Gehstöcke, Mehrfußgehhilfen54910A
10.50.02Unterarmgehstützen49110A
10.50.03Achselstützen1610A
10.50.04Deltaräder und Rollatoren417610A
10.50.05Rollatoren mit Rollstuhlfunktion3210A
10.99.01Zubehör: Stockpuffer, Stockhalter318–
10.99.02Sonstige Gehhilfen1310B
10.99.99Zuschläge516–

Der Kriterienkatalog führt neben 10A und 10B den Bereich 10C für Stöcke und Stützen, die als apothekenüblich gelten: Apotheken brauchen dafür keine Präqualifizierung (§ 126 Abs. 1b SGB V), andere Betriebe können sich dafür präqualifizieren. Wer welche Bereiche braucht, erklärt Präqualifizierung. Sonderausstattung rechnet über 10.99.99 ab, für Rollatoren etwa Trommelbremse, besondere Bremshebel und Griffe, Unterarmauflagen und Rückenstütze.

Neu ist 10.50.05.2, eine vorläufige Produktart für Rollatoren mit elektrischem Zusatzantrieb, seit 29.06.2026 mit einem Produkt. Bei den Rollatoren selbst kamen seit Januar 2025 33 Modelle dazu. Ein Fehler im Verzeichnis: Der Anforderungstext der Untergruppe 10.50.05 überschreibt die Rollatoren mit Greifreifenantrieb mit 10.50.04.2. Unter dieser Nummer stehen die Rollatoren mit erhöhter Belastbarkeit; gemeint ist 10.50.05.1.

Welche Gehhilfe für wen

Das Verzeichnis nennt je Produktart eine Indikation und Mindestanforderungen. Vor jeder Versorgung soll geprüft werden, ob die Wohnung genug Platz bietet und ob die Versicherte ein fahrbares Produkt sicher nutzen kann.

ProduktartGehhilfeEinsatz laut VerzeichnisAnforderung
10.50.01.1GehstockGehen sichern, Bein teilweise entlastenhöchstens 1 kg, Griff rechts und links nutzbar
10.50.02.0Unterarmgehstützenein Bein teilweise bis ganz entlastenhöchstens 1,2 kg je Stütze
10.50.02.3Unterarmgehstützen, erhöht belastbarhohes Körpergewichtmindestens 150 kg
10.46.01.0GehgestellGehen und Stehen üben, wenn andere Gehhilfen nicht reichenhöchstens 4 kg
10.50.04.0Deltaradwie Rollator, bei beengter Wohnungdrei Räder, Bremse
10.50.04.1RollatorGehfähigkeit erhalten, wenn andere Gehhilfen nicht reichen; Sitz bei Erschöpfunghöchstens 10 kg mit Korb oder Tasche
10.50.04.2Rollator, erhöht belastbarwenn das Körpergewicht einen normalen Rollator ausschließtüber 150 kg
10.50.04.3Rollator mit Unterarmauflagenwenn die Hände einen Rollator nicht sicher greifenRäder mindestens 180 mm, Auflagen tiefenverstellbar
10.50.05.1Rollator mit Greifreifengehen und bei Bedarf selbst fahrenmindestens 130 kg, zum Rollstuhl umbaubar

Jeder Rollator der Gruppe braucht eine dosierbare Bremse an den Hinterrädern mit Feststellung, lenkbare Vorderräder, höhenverstellbare Griffe, Reflektoren und eine Ankipphilfe. Eine eigene Produktart „Leichtgewichtrollator“ gibt es nicht; die Grenze von 10 kg gilt für jeden Rollator unter 10.50.04.1. Zubehör zahlt die Kasse, wenn es regelmäßig und auf Dauer gebraucht wird, etwa Spezialstockpuffer für Nassräume. Zubehör, das an Möbeln befestigt wird, wie ein Stockhalter am Tisch, gehört nicht dazu.

Rezept, Genehmigung und Lieferung

Gehhilfen darf jede Vertragsärztin verordnen. Auf das Rezept gehören Diagnose und Gehhilfe, als Produktart oder siebenstellige Positionsnummer; das Modell wählt der Betrieb. Wie man ein Rezept vor der Abgabe prüft, steht in Rezept prüfen; abgegeben werden muss binnen 28 Tagen.

Ob die Kasse vorher genehmigt, regelt der Vertrag. Für Rollatoren verzichten Kassen oft darauf; Produkte außerhalb der Preisliste brauchen meist einen Kostenvoranschlag. Verträge setzen kurze Lieferfristen von wenigen Werktagen und verlangen eine Einweisung, bei Bedarf zu Hause. Liefern darf jeder Betrieb mit Vertrag und passender Präqualifizierung (§§ 126 und 127 SGB V), ob Sanitätshaus oder Apotheke.

Kauf, Versorgungspauschale, Wiedereinsatz

Gehhilfen werden auf drei Wegen bezahlt. Welcher gilt, steht im Vertrag; in der Abrechnung nach § 302 zeigt es das Kennzeichen Hilfsmittel.

WegKennzeichentypisch fürwem das Hilfsmittel gehört
Kauf je Stück oder Paar00 NeulieferungStöcke, Unterarm- und Achselstützendie Versicherte behält es
Versorgungspauschale für einen Zeitraum08, danach 09 FolgepauschaleRollatoren, Deltaräder, Gehgestelle, Gehwagenmeist dem Betrieb
Wiedereinsatz aus dem Lager02, Abholung 18teure Gehwagen, etwa für Kinderder Kasse, der Betrieb lagert es

Die Pauschale deckt alles für den Zeitraum: Beratung, Auswahl, Lieferung, Anpassung, Einweisung, Reparatur und Wartung. Beim Rollator sind Korb oder Tasche, Tablett, Sitz und Stockhalter darin enthalten und werden nicht extra abgerechnet. Im veröffentlichten Vertragsentwurf einer Ersatzkasse läuft eine Rollator-Pauschale 60 Monate, getrennt nach Belastbarkeit bis 130 und ab 131 kg. Bleibt der Rollator Eigentum des Betriebs, trägt der Betrieb die Pflichten des Betreibers nach der Medizinprodukte-Betreiberverordnung.

In der Abrechnung stehen bei jeder Pauschale Beginn und Ende des Zeitraums und die Zahl der Monate. Wird der Rollator nach Ablauf weiter gebraucht, folgt die Folgepauschale; als Leistungsdatum verlangt der Vertragsentwurf den ersten Tag des neuen Zeitraums. Ob es dafür ein neues Rezept braucht, regelt der Vertrag.

Zuzahlung und Steuersatz

Für Gehhilfen gibt es keinen Festbetrag; die Kasse zahlt den Vertragspreis. Erwachsene zahlen 10 % zu, bis 31.12.2026 mindestens 5 und höchstens 10 Euro, ab 01.01.2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro, nie mehr als der Betrag selbst; siehe Zuzahlung 2027. Unter 18 entfällt sie. Wer eine teurere Ausstattung wählt, trägt die Mehrkosten.

Ein Paar Unterarmgehstützen ist eine Versorgungseinheit mit einer Zuzahlung. Bei einer Pauschale fallen 10 % jeder fälligen Pauschale an, mindestens der Mindestbetrag, nie mehr als die Pauschale. Je Hilfsmittel bleibt es für den ganzen Versorgungszeitraum beim Höchstbetrag, auch wenn mehrere Rezepte zugrunde liegen. Entspricht der Zeitraum der üblichen Lebensdauer des Produkts, löst die nächste Pauschale eine neue Zuzahlung aus. So steht es im Gemeinsamen Rundschreiben der Kassenverbände von 2007; die Bundesregierung hält das für rechtmäßig. Anlass war ein Rollator, für den eine Kasse nach fünf Jahren erneut die Zuzahlung verlangte.

Rollatoren tragen 7 % Umsatzsteuer, seit der Europäische Gerichtshof sie 2010 als orthopädische Vorrichtung eingestuft hat. In der Preisliste, die Ortavis für diese Gruppe eingelesen hat, stehen nur Stöcke und Stützen, alle ohne Kostenvoranschlag: Hand- und Gehstöcke mit 19 %, Mehrfußgehhilfen, Unterarm-, Arthritis- und Achselstützen mit 7 %.

Häufige Fragen

Welche Hilfsmittelnummer hat ein Rollator?
Die Produktart ist 10.50.04.1; erhöht belastbare Rollatoren stehen unter 10.50.04.2, solche mit Unterarmauflagen unter 10.50.04.3 oder, nur für innen, 10.46.04.0. Die zehnstellige Nummer gehört zum einzelnen Modell.
Was kostet ein Rollator auf Rezept?
Nur die Zuzahlung: 10 %, 2026 zwischen 5 und 10 Euro, ab 2027 zwischen 7,50 und 15 Euro. Zuzahlung berechnen.
Warum soll ich für denselben Rollator noch einmal zuzahlen?
Weil die Kasse nach Ablauf des Zeitraums eine neue Pauschale zahlt. Entspricht der Zeitraum der üblichen Lebensdauer, wird damit eine neue Zuzahlung fällig; innerhalb eines Zeitraums bleibt es beim Höchstbetrag.
Zahlt die Pflegekasse den Rollator?
Nein. Gehhilfen zahlt die Krankenkasse; Pflegehilfsmittel stehen in den Produktgruppen 50 bis 54.

Wie ein Rezept für eine Gehhilfe vom Scan bis zur Abrechnung läuft, zeigt die Demo ohne Anmeldung; der Rundgang erklärt die Stationen.

Rechtsgrundlagen und Quellen

  1. GKV-Spitzenverband: Hilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe 10 „Gehhilfen“, Definition, Produktarten und Anforderungen, Einzelprodukte Stand 28.09.2026.
  2. GKV-Spitzenverband: Kriterienkatalog zur Präqualifizierung vom 28.04.2025, gültig ab 01.06.2025.
  3. Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung zu wiederholten Zuzahlungen für Hilfsmittel, Drucksache 18/13424 vom 28.08.2017, mit dem Gemeinsamen Rundschreiben vom 18.12.2007, Kapitel 7.2.6.
  4. hkk: Rahmenvertrag über die Versorgung mit Gehhilfen nach § 127 Abs. 1 SGB V, Vertragsentwurf mit Anlage Produktgruppe 10.
  5. HEK: Wissenswertes zur Versorgung mit Rollatoren, Merkblatt.
  6. EuGH, Urteil vom 22.12.2010, C-273/09; BMF-Schreiben vom 11.08.2011, IV D 2 - S 7227/11/10001, BStBl I S. 824.
  7. Preisliste eines Kassenvertrags nach § 127 SGB V, Positionen 10, Stand 01.06.2026.
  8. § 33 Abs. 1 und 8, § 61, § 126 Abs. 1a und 1b, § 127 SGB V; § 3 Medizinprodukte-Betreiberverordnung.

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